Transition Investing erklärt: Wie Anleger die Transformation der Wirtschaft finanzieren können

Aktuelles, Wissen | 18.07.2026

Transition Investing erweitert den Blick nachhaltiger Geldanlagen: Entscheidend ist nicht nur, wie nachhaltig ein Unternehmen heute ist, sondern auch, ob es sich glaubwürdig und messbar verändert. Der Ansatz kann die Dekarbonisierung emissionsintensiver Branchen unterstützen – birgt ohne strenge Kriterien jedoch ein erhebliches Greenwashing-Risiko.

Viele nachhaltige Fonds bevorzugen Unternehmen, die bereits vergleichsweise geringe Emissionen verursachen, Umwelttechnologien anbieten oder hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Das ist nachvollziehbar: Wer nachhaltig investieren möchte, will sein Geld häufig gerade nicht in besonders klimaschädliche Geschäftsmodelle lenken.

Doch damit allein lässt sich die gesamte Wirtschaft nicht klimaneutral umbauen.

Stahl, Zement, Chemie, Energieversorgung, Luftfahrt und Schifffahrt gehören zu den emissionsintensiven, zugleich aber wirtschaftlich wichtigen Branchen. Sie werden auch künftig benötigt. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, ob Anleger diese Unternehmen ausschließen sollten. Ebenso relevant ist, wie ihre tatsächliche Transformation finanziert werden kann.

Genau hier setzt Transition Investing an.

Das Wichtigste in Kürze

  • Transition Investing stellt Kapital für Unternehmen, Aktivitäten oder Projekte bereit, die noch nicht vollständig nachhaltig sind, aber einen glaubwürdigen Transformationspfad verfolgen.
  • Im Mittelpunkt stehen nicht nur langfristige Klimaversprechen, sondern konkrete Zwischenziele, reale Emissionsminderungen und passende Investitionsentscheidungen.
  • Transition Investing kann insbesondere in schwer dekarbonisierbaren Branchen eine größere realwirtschaftliche Hebelwirkung entfalten.
  • Ein Fonds mit hohen aktuellen Emissionen kann einen ambitionierten Transformationsansatz verfolgen. Ein emissionsarmer Fonds bewirkt dagegen nicht automatisch zusätzliche Emissionssenkungen in der Realwirtschaft.
  • Der Begriff ist noch nicht einheitlich reguliert. „Transition“ im Fondsnamen ist daher kein Qualitätssiegel.
  • Die geplante Reform der EU-Offenlegungsverordnung SFDR sieht erstmals eine eigene Produktkategorie für Transition-Produkte vor. Die Reform befindet sich allerdings noch im Gesetzgebungsverfahren.
  • Die größten Risiken sind Transition-Washing, unrealistische Transformationspläne, eine zu starke Abhängigkeit von Kompensationen und die Verlängerung emissionsintensiver Geschäftsmodelle.
  • Anleger sollten Fonds anhand ihrer konkreten Strategie, ihrer Unternehmensauswahl, der verwendeten Kennzahlen und der tatsächlichen Fortschritte beurteilen.

 

Transition Investing finanziert die klimaneutrale Transformation emissionsintensiver Unternehmen

 

Was ist Transition Investing?

Transition Investing bezeichnet die gezielte Bereitstellung von Kapital für Unternehmen, wirtschaftliche Aktivitäten oder Projekte, die heute noch nicht vollständig nachhaltig sind, aber auf Grundlage eines glaubwürdigen, wissenschaftlich fundierten und überprüfbaren Transformationsplans messbar zu einer klimaneutralen und nachhaltigeren Wirtschaft beitragen sollen.

Entscheidend sind nicht allein langfristige Ziele. Ein glaubwürdiger Ansatz benötigt insbesondere:

  • konkrete und überprüfbare Zwischenziele,
  • einen nachvollziehbaren Investitionsplan,
  • reale Emissionsminderungen,
  • eine klare Verantwortung des Managements,
  • transparente Berichterstattung,
  • sowie eine regelmäßige Überprüfung der erzielten Fortschritte.

Kürzer ausgedrückt:

Transition Investing investiert nicht nur in Unternehmen, die bereits nachhaltig sind, sondern auch in solche, die sich nachweisbar und glaubwürdig dorthin entwickeln.

Die OECD definiert Transition Finance als Finanzierung, die Unternehmen zur Umsetzung ihres Netto-Null-Übergangs einsetzen. Voraussetzung sind die Ausrichtung an den Temperaturzielen des Pariser Klimaabkommens und ein glaubwürdiger unternehmerischer Transformationsplan.

Die Europäische Kommission fasst den Begriff teilweise weiter. Ihre Empfehlung zur Finanzierung der Transformation schließt Investitionen ein, die den Übergang zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft unterstützen und dabei sogenannte Lock-in-Effekte vermeiden sollen. Dazu können Investitionen in bereits nachhaltige Aktivitäten, in Übergangsaktivitäten sowie in Unternehmen mit glaubwürdigen Transformationsplänen gehören.

 

Warum nachhaltige Geldanlagen nicht nur in bereits „grüne“ Unternehmen investieren können

Die bisherige Logik nachhaltiger Geldanlagen betrachtet häufig vor allem den aktuellen Zustand eines Unternehmens:

  • Wie hoch sind seine Emissionen?
  • Welche Produkte stellt es her?
  • Welche problematischen Aktivitäten werden ausgeschlossen?
  • Wie gut ist das Unternehmen im Branchenvergleich?
  • Welchen Anteil seiner Umsätze erzielt es mit nachhaltigen Aktivitäten?

Diese Fragen bleiben wichtig. Transition Investing ergänzt sie jedoch um eine zukunftsgerichtete Perspektive:

Wie schnell, wie konsequent und wie glaubwürdig verändert sich das Unternehmen?

Ein Unternehmen kann heute noch hohe Emissionen verursachen und dennoch erhebliche Investitionen in die Umstellung seiner Produktion vornehmen. Ein anderes Unternehmen kann bereits einen vergleichsweise niedrigen CO₂-Fußabdruck besitzen, ohne einen zusätzlichen Transformationsbeitrag zu leisten.

Damit entsteht ein grundlegender Perspektivwechsel:

Klassische Betrachtung Transition-Perspektive
Wie nachhaltig ist das Unternehmen heute? Wie glaubwürdig entwickelt es sich weiter?
Wie hoch sind die gegenwärtigen Emissionen? Wie schnell sinken die Emissionen tatsächlich?
Welche nachhaltigen Umsätze bestehen bereits? Welche Investitionen ermöglichen künftig nachhaltige Umsätze?
Welche Branchen werden ausgeschlossen? Welche Branchen müssen grundlegend transformiert werden?
Wie niedrig sind die Portfolioemissionen? Welche realen Emissionssenkungen unterstützt das Portfolio?

Dieser Unterschied ist bedeutsam. Ein Fondsmanager kann die ausgewiesenen Emissionen seines Portfolios senken, indem er emissionsintensive Unternehmen verkauft. Die betreffenden Unternehmen emittieren dadurch zunächst jedoch nicht automatisch weniger Treibhausgase.

Das Net Zero Investment Framework der Institutional Investors Group on Climate Change stellt deshalb die Dekarbonisierung der Realwirtschaft in den Mittelpunkt. Es betont, dass Anleger die Finanzierung von Klimalösungen, Transformationsanlagen und Schwellenländern nicht allein deshalb meiden sollten, weil diese zunächst höhere finanzierte Emissionen aufweisen können.

Portfolio-Dekarbonisierung ist nicht automatisch Realwirtschafts-Dekarbonisierung.

 

Warum Transition Investing gerade jetzt an Bedeutung gewinnt

1. Emissionsintensive Branchen benötigen enormes Investitionskapital

Die Klimaneutralität kann nicht ausschließlich durch Investitionen in Windkraft-, Solar-, Recycling- oder Umwelttechnologieunternehmen erreicht werden. Auch die Herstellungsprozesse emissionsintensiver Branchen müssen verändert werden.

Typische Beispiele sind:

  • die Umstellung der Stahlproduktion von kohlebasierten Hochöfen auf Direktreduktion und Elektrolichtbogenöfen,
  • die Verringerung des Klinkeranteils und die Abscheidung schwer vermeidbarer Prozessemissionen in der Zementproduktion,
  • die Elektrifizierung und Umstellung chemischer Produktionsprozesse,
  • der Ausbau erneuerbarer Energien, Stromnetze und Speicher durch Energieversorger,
  • alternative Antriebe und Kraftstoffe in Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerlastverkehr.

Für diese Transformation sind über Jahre hohe Investitionen erforderlich. Die OECD hebt deshalb hervor, dass Transition Finance sektoren- und regionsübergreifend funktionieren muss und nicht nur bereits emissionsarme Unternehmen berücksichtigen darf. Gleichzeitig darf die größere Offenheit nicht zulasten der ökologischen Integrität gehen.

2. Die EU will Transition-Finanzierung systematischer erfassen

Die Europäische Kommission veröffentlichte 2023 eine Empfehlung zur Finanzierung des Übergangs zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Ziel ist es, das europäische Sustainable-Finance-Regelwerk auch für Unternehmen nutzbar zu machen, die ihren Ausgangspunkt noch nicht innerhalb vollständig nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten haben.

Die EU Platform on Sustainable Finance veröffentlichte Anfang 2025 zudem einen Bericht über die Kernelemente glaubwürdiger unternehmerischer Transformationspläne. Er soll Finanzmarktteilnehmern helfen, die Qualität und Umsetzbarkeit solcher Pläne besser einzuschätzen.

3. Die SFDR-Reform soll eine eigene Transition-Kategorie schaffen

Die bisherige Sustainable Finance Disclosure Regulation, kurz SFDR, unterscheidet vor allem zwischen Finanzprodukten nach Artikel 6, Artikel 8 und Artikel 9. Diese Artikel waren ursprünglich als Offenlegungskategorien gedacht, wurden am Markt aber zunehmend wie Nachhaltigkeitslabels verwendet.

Im November 2025 schlug die Europäische Kommission deshalb eine grundlegende Reform vor. Neben einer Kategorie für bereits nachhaltige Produkte soll eine eigene Transition-Kategorie entstehen. Sie soll Produkte erfassen, die in Unternehmen oder Projekte investieren, die noch nicht nachhaltig sind, sich aber auf einem glaubwürdigen Transformationspfad befinden oder messbare ökologische beziehungsweise soziale Verbesserungen unterstützen.

Nach dem Kommissionsvorschlag müsste ein hoher Anteil des Portfolios die gewählte Strategie unterstützen. Im weiteren europäischen Gesetzgebungsverfahren können sich Schwellenwerte, Kriterien und Ausschlussanforderungen jedoch noch ändern.

Ausführliche Informationen zum Reformvorhaben finden Sie im Greenvest-Leitfaden zur SFDR 2.0.

Wichtig: Investmentansatz und EU-Kategorie sind nicht dasselbe

Der Begriff Transition wird bereits heute von Fondsanbietern verwendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Produkte automatisch den Anforderungen der späteren europäischen Transition-Kategorie entsprechen.

Es muss zwischen drei Ebenen unterschieden werden:

  1. Transition Investing als allgemeiner Investmentansatz
  2. heutige Fonds mit einer Climate-Transition-Strategie
  3. die vorgeschlagene künftige SFDR-Produktkategorie „Transition“

Bis zum Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens existiert kein einheitliches europäisches Qualitätssiegel für Transition-Fonds.

 

Transition Investing, ESG, Impact Investing und EU-Taxonomie: die Unterschiede

Die Begriffe werden häufig vermischt, verfolgen aber unterschiedliche Fragestellungen.

Ansatz Zentrale Frage Typischer Schwerpunkt
ESG Investing Wie berücksichtigt ein Unternehmen Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren? Nachhaltigkeitsrisiken und Unternehmensqualität
Ausschlussbasierte Geldanlage Welche Branchen oder Geschäftspraktiken sollen vermieden werden? Wertebasierte Ausschlüsse
Best-in-Class Welche Unternehmen schneiden innerhalb ihrer Branche am besten ab? Relativer Branchenvergleich
Impact Investing Welche messbare positive Wirkung soll die Investition erzielen? Beabsichtigte ökologische oder soziale Wirkung
EU-Taxonomie Welche Wirtschaftsaktivitäten erfüllen festgelegte Umweltkriterien? Klassifikation einzelner Aktivitäten
Transition Investing Ist der Veränderungspfad eines Unternehmens glaubwürdig und ausreichend ambitioniert? Transformation und Fortschritt

 

ESG ist nicht automatisch Transition

Eine gute ESG-Bewertung kann beispielsweise aus solider Unternehmensführung, vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen und niedrigen Nachhaltigkeitsrisiken resultieren. Sie belegt nicht automatisch, dass ein Unternehmen seine Emissionen schnell genug reduziert.

ESG-Bewertungen betrachten zudem häufig die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsfaktoren auf das Unternehmen. Transition Investing fragt stärker danach, wie sich das Unternehmen selbst verändern und zur realwirtschaftlichen Transformation beitragen will.

Impact Investing ist nicht dasselbe wie Transition Investing

Impact-Produkte verfolgen eine ausdrücklich beabsichtigte und möglichst messbare ökologische oder soziale Wirkung. Transition Investing kann ebenfalls einen positiven Transformationsbeitrag anstreben. Der unmittelbare Fokus liegt jedoch häufig auf der Veränderung bestehender Unternehmen und Produktionsprozesse.

Ein Fonds kann beide Ansätze verbinden. Dennoch sollte nicht jede Verbesserung automatisch als Impact bezeichnet werden.

Die EU-Taxonomie ist ein wichtiges Werkzeug, aber kein vollständiger Transition-Standard

Die EU-Taxonomie definiert Kriterien, anhand derer bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten können. Sie kann außerdem anzeigen, welche Investitionsausgaben dazu dienen, eine taxonomiefähige Aktivität innerhalb eines festgelegten Zeitraums taxonomiekonform zu machen.

Transition Investing betrachtet darüber hinaus den gesamten Veränderungspfad eines Unternehmens. Dazu zählen beispielsweise:

  • Geschäftsmodell und Produktportfolio,
  • Investitions- und Anlagenplanung,
  • Emissionsziele,
  • Governance,
  • Lobbyaktivitäten,
  • der Umgang mit nicht kompatiblen Geschäftsbereichen,
  • und die tatsächliche Zielerreichung.

Ein Unternehmen kann einzelne taxonomiekonforme Aktivitäten betreiben, ohne dass sein gesamtes Geschäftsmodell glaubwürdig auf Transformation ausgerichtet ist.

 

Welche Unternehmen können für Transition Investing infrage kommen?

Transition Investing konzentriert sich häufig auf sogenannte Hard-to-abate-Sektoren. Damit sind Branchen gemeint, deren Emissionen technisch oder wirtschaftlich besonders schwer zu vermeiden sind.

Dazu können gehören:

  • Stahl und Metalle,
  • Zement und Baustoffe,
  • Grundstoffchemie,
  • Energieversorgung,
  • Luftfahrt,
  • Schifffahrt,
  • Schwerlastverkehr,
  • industrielle Produktion,
  • Teile der Immobilienwirtschaft.

Nicht jedes Unternehmen in diesen Branchen ist deshalb automatisch ein Transition Investment. Die Branchenzugehörigkeit beschreibt lediglich den Transformationsbedarf.

Beispiel: Stahlhersteller

Ein glaubwürdiger Transformationspfad könnte enthalten:

– Stilllegung kohlebasierter Hochöfen,
– Aufbau von Direktreduktionsanlagen,
– Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff,
– Nutzung von Elektrolichtbogenöfen,
– Beschaffung erneuerbarer Energie,
– Recycling und höhere Materialeffizienz,
– konkrete Zwischenziele für absolute Emissionssenkungen.

Die bloße Ankündigung, irgendwann „grünen Stahl“ produzieren zu wollen, reicht nicht.

Beispiel: Zementhersteller

Ein Transformationsplan könnte unter anderem vorsehen:

– Verringerung des emissionsintensiven Klinkeranteils,
– Verwendung alternativer Bindemittel,
– höhere Material- und Energieeffizienz,
– Einsatz erneuerbarer Energien,
– Entwicklung CO₂-ärmerer Produkte,
– Abscheidung technisch schwer vermeidbarer Prozessemissionen.

Entscheidend ist, ob die erforderlichen Investitionen tatsächlich erfolgen und ob die Maßnahmen mit einem wissenschaftlich nachvollziehbaren Reduktionspfad vereinbar sind.

Beispiel: Energieversorger

Ein Energieversorger kann erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und Speicher vornehmen. Seine Transition-Glaubwürdigkeit hängt aber ebenso davon ab:

– wie schnell fossile Kapazitäten zurückgebaut werden,
– ob neue langfristige fossile Anlagen entstehen,
– wie hoch der Anteil der Investitionen in erneuerbare gegenüber fossilen Aktivitäten ist,
– und ob die Strategie mit den eigenen Lobbyaktivitäten übereinstimmt.

 

Beispiel: Lösungsanbieter

Auch Unternehmen, die Technologien zur Transformation anderer Branchen bereitstellen, können Bestandteil entsprechender Fonds sein. Dazu zählen beispielsweise Anbieter von:

– Stromnetzen und Speichertechnik,
– energieeffizienten Industrieanlagen,
– Elektrifizierungslösungen,
– Wärmepumpen,
– Halbleitern und Leistungselektronik,
– Recyclingtechnik,
– Software zur Messung und Steuerung von Energie und Emissionen.

Solche Unternehmen gelten oft als Transition Enabler. Ein Fonds, der fast ausschließlich in diese Unternehmen investiert, ähnelt allerdings eher einem Klima- oder Umwelttechnologiefonds als einer Transition-Strategie im engeren Sinne.

 

Drei typische Formen von Transition-Fonds

Am Markt lassen sich derzeit drei grundsätzliche Ansätze unterscheiden.

1. Fonds mit Transformationsunternehmen

Diese Fonds investieren in Unternehmen, die heute noch relevante Emissionen verursachen, aber innerhalb ihrer Branche einen besonders glaubwürdigen Veränderungspfad verfolgen sollen.

Stärke: direkter Bezug zur Dekarbonisierung emissionsintensiver Branchen.

Risiko: Die Auswahl hängt stark von Prognosen, Annahmen und der Qualität der Unternehmensanalyse ab.

2. Fonds mit Transformationslösungen

Diese Fonds investieren in Unternehmen, deren Produkte die Transformation anderer Unternehmen ermöglichen.

Stärke: leicht nachvollziehbare Nachhaltigkeitsthese.

Risiko: Die Strategie kann sich kaum von klassischen Klima-, Energie- oder Umwelttechnologiefonds unterscheiden.

3. Kombinierte Strategien

Sie verbinden:

  • bereits ausgerichtete Unternehmen,
  • Transformationsunternehmen,
  • Lösungsanbieter,
  • Green oder Transition Bonds,
  • Engagement und Stimmrechtsausübung.

Stärke: breiteres Anlageuniversum und unterschiedliche Wirkungskanäle.

Risiko: Je breiter die Definition, desto größer die Gefahr, dass „Transition“ zu einem unscharfen Marketingbegriff wird.

 

Beispiele bestehender Transition-Strategien

Bereits heute existieren Aktien- und Anleihenfonds, die den Begriff Climate Transition verwenden oder einen vergleichbaren Ansatz verfolgen.

Beispiele sind unter anderem:

Strategie Anlageklasse Grundsätzlicher Ansatz
Robeco Global Climate Transition Equities Globale Aktien Transformationsunternehmen und Unternehmen, die den Wandel ermöglichen
Robeco Emerging Markets Climate Transition Equities Schwellenländeraktien Transformation und Klimalösungen in Emerging Markets
Allianz Climate Transition Europe Europäische Aktien Unternehmen, die an der Klimatransformation beteiligt sein sollen

Robeco beschreibt seinen Ansatz als zukunftsgerichtet und berücksichtigt sowohl Unternehmen, die sich selbst transformieren, als auch solche, die hierfür Lösungen bereitstellen. Die jeweilige SFDR-Einstufung kann sich je nach Fonds und Anteilsklasse unterscheiden.

Die Beispiele zeigen vor allem: Fonds mit „Transition“ im Namen können unterschiedliche Anlageklassen, Auswahlmethoden und Nachhaltigkeitsanforderungen besitzen.

Die Nennung einzelner Fonds dient ausschließlich der Veranschaulichung unterschiedlicher Strategien. Sie stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Qualitätsbewertung dar. Fondseigenschaften, Einstufungen, Kosten und Portfolios können sich ändern.

Vor einer Anlage sollten Anleger stets die aktuellen vorvertraglichen Informationen, den Verkaufsprospekt, das Basisinformationsblatt und die Nachhaltigkeitsinformationen des jeweiligen Fonds prüfen.

 

Transition-Fonds und Artikel-9-Fonds: Was ist der Unterschied?

Transition Investing und Artikel 9 sind aktuell keine unmittelbar vergleichbaren Kategorien.

Ein Artikel-9-Fonds verfolgt nach der geltenden SFDR ein nachhaltiges Anlageziel. Transition Investing ist bislang in erster Linie ein Investmentansatz und soll nach dem Vorschlag der Europäischen Kommission künftig zugleich eine eigene Produktkategorie werden.

Merkmal Heutiger Artikel-9-Fonds Transition-Ansatz
Rechtlicher Status Bestehende SFDR-Offenlegungskategorie Investmentkonzept; zugleich vorgeschlagene künftige Kategorie
Schwerpunkt Nachhaltiges Anlageziel Glaubwürdige und messbare Verbesserung
Blickrichtung Nachhaltigkeitsqualität und Anlageziel Ausgangslage, Transformationspfad und Fortschritt
Typische Anlagen Nachhaltige Aktivitäten, Klimalösungen oder Impact-Anlagen Zusätzlich Unternehmen mit aktuell hohen Emissionen und glaubwürdigem Wandel
Aktuelle Emissionen Häufig niedriger Können zunächst deutlich höher sein
Hauptrisiko Unterschiedliche Definitionen nachhaltiger Investitionen Transition-Washing und Carbon Lock-in
Überschneidung Kann Transformationsanlagen enthalten Kann derzeit als Artikel 8 oder gegebenenfalls Artikel 9 eingestuft sein

Mehr über die geltende Einordnung erfahren Sie im Greenvest-Leitfaden zu Artikel-9-Fonds.

Sind Transition-Fonds weniger nachhaltig?

Nicht zwangsläufig.

Ein Fonds mit hohen gegenwärtigen Emissionen kann Unternehmen finanzieren, die ihre Emissionen konsequent reduzieren. Ein bereits emissionsarmer Fonds kann hingegen überwiegend Unternehmen halten, bei denen nur noch ein begrenztes zusätzliches Reduktionspotenzial besteht.

Andererseits können hohe Emissionen und unverbindliche Zukunftsversprechen nicht allein mit dem Begriff „Transition“ gerechtfertigt werden.

Entscheidend ist deshalb nicht die Bezeichnung, sondern die Qualität der Strategie.

 

Woran lässt sich ein glaubwürdiger Transformationsplan erkennen?

Die OECD, die EU Platform on Sustainable Finance, GFANZ und institutionelle Investorenrahmen nennen trotz unterschiedlicher Ausgestaltung wiederkehrende Kernelemente.

Ein glaubwürdiger Transformationsplan sollte:

  1. ein klares und wissenschaftlich begründetes Zielbild besitzen,
  2. das gesamte relevante Geschäftsmodell erfassen,
  3. kurz-, mittel- und langfristige Ziele enthalten,
  4. Scope-1-, Scope-2- und wesentliche Scope-3-Emissionen berücksichtigen,
  5. konkrete Maßnahmen und Investitionen benennen,
  6. sektorale Transformationspfade einbeziehen,
  7. Verantwortung und Kontrolle auf höchster Führungsebene verankern,
  8. Fortschritte regelmäßig offenlegen,
  9. Kompensationen begrenzen,
  10. und tatsächliche Ergebnisse statt nur Ankündigungen nachweisen.

GFANZ ordnet die Elemente eines Transformationsplans fünf Themenbereichen zu: Grundlagen, Umsetzungsstrategie, Einbindungsstrategie, Kennzahlen und Ziele sowie Governance.

Die EU Platform on Sustainable Finance betont unter anderem wissenschaftsbasierte Ziele, Transparenz, Rechenschaft und die Nutzung der europäischen Sustainable-Finance-Instrumente zur Beurteilung geplanter Investitionen.

 

Der Greenvest-Transition-Check: zwölf Kriterien für Anleger

Mit dem folgenden Prüfschema können Anleger Transition-Fonds und deren Unternehmen systematischer beurteilen.

A. Zielbild und Ambition

1. Ist der Pfad mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar?

Das Unternehmen sollte nicht lediglich eine allgemeine CO₂-Reduktion versprechen. Der Pfad sollte mit wissenschaftlich nachvollziehbaren Klima- und Sektorpfaden vereinbar sein.

2. Erfasst der Plan das gesamte Geschäftsmodell?

Ein kleiner grüner Geschäftsbereich darf nicht von einem ansonsten unveränderten, emissionsintensiven Kerngeschäft ablenken.

3. Werden alle wesentlichen Emissionen berücksichtigt?

Neben direkten Emissionen aus eigenen Anlagen, Scope 1, sollten eingekaufte Energie, Scope 2, und wesentliche Emissionen der Wertschöpfungskette, Scope 3, einbezogen werden.

B. Konkrete Umsetzung

4. Gibt es verbindliche Zwischenziele?

Ein Netto-Null-Ziel für 2050 ist ohne Ziele für 2030 und weitere Zwischenjahre kaum überprüfbar.

5. Sollen die absoluten Emissionen sinken?

Relative Kennzahlen wie CO₂ je produzierter Einheit können sich verbessern, während die Gesamtemissionen aufgrund steigender Produktion weiter wachsen.

6. Passen die Investitionen zu den Klimazielen?

CapEx, Forschungsausgaben, Produktionsanlagen, Übernahmen und der Umgang mit bestehenden Vermögenswerten müssen mit dem angekündigten Transformationspfad übereinstimmen.

7. Gibt es einen Plan für nicht kompatible Aktivitäten?

Ein glaubwürdiger Plan muss erklären, wie besonders emissionsintensive oder langfristig nicht tragfähige Aktivitäten reduziert, umgebaut oder beendet werden.

8. Spielen Kompensationen nur eine ergänzende Rolle?

Emissionsgutschriften und CO₂-Entnahmen sollten reale Emissionsminderungen nicht ersetzen. Sie kommen vor allem für schwer vermeidbare Restemissionen infrage.

C. Verbindlichkeit und Kontrolle

9. Ist das Management verantwortlich?

Vorstand und Aufsichtsorgane sollten die Umsetzung überwachen und regelmäßig darüber berichten.

10. Ist die Vergütung an substanzielle Ziele gekoppelt?

Die variable Vergütung des Managements sollte anspruchsvolle und relevante Transformationsziele berücksichtigen.

11. Werden Daten transparent und überprüfbar veröffentlicht?

Anleger benötigen nachvollziehbare Angaben zu Zielen, Maßnahmen, Emissionen, Investitionen und Fortschritten. Eine unabhängige Prüfung erhöht die Glaubwürdigkeit.

12. Werden die Ziele tatsächlich erreicht?

Ein überzeugender Plan ist nur der Anfang. Entscheidend ist, ob das Unternehmen seine Zwischenziele erreicht und bei Abweichungen wirksame Gegenmaßnahmen ergreift.

 

Warnsignale: Wann Anleger besonders kritisch sein sollten

Ein Transition-Ansatz verdient eine genauere Prüfung, wenn:

  • lediglich ein fernes Netto-Null-Ziel genannt wird,
  • konkrete Zwischenziele fehlen,
  • wesentliche Scope-3-Emissionen nicht berücksichtigt werden,
  • nur relative, aber keine absoluten Emissionen sinken sollen,
  • die Investitionsausgaben den Klimazielen widersprechen,
  • weiterhin neue, langfristig emissionsintensive Kapazitäten entstehen,
  • ein großer Teil der Zielerreichung auf Kompensationen beruht,
  • unrealistisch hohe Beiträge zukünftiger CO₂-Entnahmetechnologien eingeplant werden,
  • klimapolitische Lobbyaktivitäten der veröffentlichten Strategie widersprechen,
  • Managementvergütungen nicht von der Zielerreichung abhängen,
  • Engagement versprochen, aber nicht nachvollziehbar dokumentiert wird,
  • der Fonds seine Auswahlmethodik nur sehr allgemein beschreibt,
  • oder „Transition“ vor allem im Produktnamen und Marketing erscheint.

Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Reclaim Finance und ClientEarth warnen, dass unverbindliche Transformationspläne zu einer neuen Form des Greenwashings werden können. Zu den kritischen Punkten gehören unvollständige Emissionsziele, nicht passende Investitionspläne, fossile Expansion und fehlende Konsequenzen bei Zielverfehlungen.

 

Was bedeutet Carbon Lock-in?

Ein Carbon Lock-in entsteht, wenn Investitionen die langfristige Nutzung emissionsintensiver Technologien oder Infrastrukturen festschreiben.

Ein neues fossiles Kraftwerk, eine neue Ölförderanlage oder eine auf Jahrzehnte ausgelegte emissionsintensive Produktionsanlage kann zwar effizienter sein als ältere Technik. Sie verursacht aber weiterhin Emissionen und schafft wirtschaftliche Anreize, die Anlage möglichst lange zu betreiben.

Damit kann eine vermeintliche Übergangsinvestition den späteren Wechsel zu emissionsarmen Alternativen erschweren.

Die OECD bewertet die Vermeidung solcher Lock-in-Effekte als eine zentrale Voraussetzung glaubwürdiger Transition Finance. Eine Investition sollte deshalb nicht nur eine kurzfristige Effizienzverbesserung erzielen, sondern mit einem langfristig tragfähigen Transformationspfad vereinbar sein.

 

Welche Rolle spielen Fondsmanager und aktives Engagement?

Transition Investing setzt häufig auf aktive Unternehmensanalyse. Vergangenheitsbezogene ESG-Daten reichen nicht aus, um die künftige Entwicklung eines Unternehmens zu beurteilen.

Fondsmanager müssen unter anderem einschätzen:

  • ob Ziele technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind,
  • ob die Investitionsplanung dazu passt,
  • ob das Management glaubwürdig handelt,
  • ob der Pfad im Branchenvergleich ambitioniert ist,
  • und ob Fortschritte tatsächlich erzielt werden.

Aktiv gemanagte Fonds können darüber hinaus den Dialog mit Unternehmen suchen und Stimmrechte auf Hauptversammlungen nutzen.

Engagement ist kein Selbstzweck

Ein Fonds sollte nachvollziehbar darlegen:

  • welche konkreten Veränderungen er fordert,
  • welche Meilensteine vereinbart wurden,
  • innerhalb welcher Frist Fortschritte erwartet werden,
  • wie über klimarelevante Beschlüsse abgestimmt wurde,
  • und welche Konsequenzen bei fehlendem Fortschritt folgen.

Ohne klare Ziele, Transparenz und Eskalationsstufen kann „Engagement“ zu einem unverbindlichen Versprechen werden.

Auch der Verkauf einer Beteiligung ist nicht automatisch die wirksamste Lösung. Er senkt zwar die Portfolioemissionen des Verkäufers, verändert aber zunächst weder das Unternehmen noch seine Emissionen. Umgekehrt darf dieser Einwand nicht als Begründung dienen, dauerhaft in Unternehmen ohne glaubwürdige Veränderung investiert zu bleiben.

 

Chancen von Transition Investing

1. Größere realwirtschaftliche Hebelwirkung

Besonders hohe absolute Emissionssenkungen können dort entstehen, wo die Ausgangsemissionen hoch sind und grundlegende Produktionsprozesse verändert werden.

2. Finanzierung notwendiger Zukunftsinvestitionen

Emissionsintensive Unternehmen benötigen Kapital für neue Anlagen, Forschung, Elektrifizierung, erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur und klimafreundlichere Materialien.

3. Zukunftsgerichtete Unternehmensanalyse

Transition Investing bewertet nicht nur historische Daten, sondern auch Strategie, Investitionsplanung, Innovationsfähigkeit und operative Umsetzung.

4. Mögliche wirtschaftliche Chancen

Unternehmen, die sich frühzeitig an strengere Klimapolitik, veränderte Kundennachfrage und neue Technologien anpassen, können langfristig besser positioniert sein als Nachzügler. Zugleich können hohe Investitionskosten, technologische Unsicherheit und politische Veränderungen die wirtschaftliche Entwicklung belasten.

Eine höhere Rendite lässt sich aus einer Transition-Strategie daher nicht ableiten oder garantieren.

5. Breiteres Anlageuniversum

Transition Investing kann nachhaltigen Anlegern Zugang zu Branchen verschaffen, die in streng ausschlussbasierten Portfolios kaum vertreten sind. Dies kann die Diversifikation erhöhen, verändert aber zugleich das Nachhaltigkeits- und Risikoprofil.

 

Risiken und Kritik

Transition-Washing

Die größte Gefahr besteht darin, gewöhnliche Geschäftsentwicklung als tiefgreifende Transformation darzustellen. Fast jedes Unternehmen kann Verbesserungen vorweisen. Nicht jede Verbesserung ist jedoch ausreichend, um mit den internationalen Klimazielen vereinbar zu sein.

Uneinheitliche Definitionen

Bislang gibt es keinen weltweit verbindlichen Standard für Transition-Fonds. Anbieter können daher unterschiedliche Kriterien verwenden.

Prognoserisiko

Transition Investing beruht teilweise auf Annahmen über zukünftige Technologien, Regulierung, Nachfrage und Managemententscheidungen. Ein überzeugender Plan kann scheitern.

Hohe Investitionskosten

Die Transformation energie- und kapitalintensiver Branchen ist teuer. Kostenüberschreitungen, Verzögerungen oder ausbleibende Nachfrage können die Rentabilität beeinträchtigen.

Datenlücken

Besonders Scope-3-Emissionen, grüne Investitionsausgaben und sektorale Vergleichsdaten sind nicht immer vollständig oder einheitlich verfügbar.

Abhängigkeit von Politik und Infrastruktur

Viele Transformationsprojekte benötigen:

  • ausreichend erneuerbare Energie,
  • neue Stromnetze,
  • Wasserstoffinfrastruktur,
  • CO₂-Transport und -Speicherung,
  • Genehmigungen,
  • geeignete Förder- und Preissignale.

Unternehmen können deshalb nicht jeden Teil ihres Transformationspfads allein kontrollieren.

Ein Klimapfad macht ein Unternehmen nicht umfassend nachhaltig

Ein Unternehmen kann seine Treibhausgasemissionen glaubwürdig reduzieren und dennoch Probleme bei Menschenrechten, Biodiversität, Wasserverbrauch oder Unternehmensführung aufweisen.

Transition Investing ist nicht automatisch mit umfassender Nachhaltigkeit gleichzusetzen.

Anleger sollten zusätzlich ihre persönlichen Ausschluss- und Positivkriterien berücksichtigen. Wie unterschiedlich nachhaltige Fonds tatsächlich investieren, zeigt auch die Greenvest-Studie zu 1.718 nachhaltigen Fonds.

 

Wie können Anleger Transition-Fonds prüfen?

1. Anlageziel und Strategie lesen

Der Fonds sollte konkret erklären:

  • welche Form der Transformation finanziert wird,
  • welche Branchen infrage kommen,
  • wie Transformationsunternehmen identifiziert werden,
  • welche Mindestanforderungen gelten,
  • und welche Unternehmen ausgeschlossen werden.

 

2. Portfolio ansehen

Anleger sollten prüfen, ob die größten Positionen zur beschriebenen Strategie passen. Besonders emissionsintensive Unternehmen benötigen eine nachvollziehbare Begründung.

3. Kennzahlen hinterfragen

Relevante Kennzahlen können sein:

  • absolute Treibhausgasemissionen,
  • Emissionsintensität,
  • Anteil der Unternehmen mit wissenschaftsbasierten Zielen,
  • Anteil taxonomiekonformer Umsätze und Investitionsausgaben,
  • Anteil von Transformationsunternehmen und Lösungsanbietern,
  • Zielerreichung gegenüber festgelegten Sektorpfaden.

Keine einzelne Kennzahl kann die Qualität abschließend belegen.

4. Engagement-Berichte prüfen

Bei einer aktiven Engagement-Strategie sollten konkrete Dialoge, Abstimmungen, Ziele und Eskalationsmaßnahmen dokumentiert sein.

5. Nachhaltigkeitsrisiken nicht mit Wirkung verwechseln

Eine gute ESG-Risikobewertung bedeutet nicht automatisch, dass der Fonds einen realwirtschaftlichen Transformationsbeitrag leistet.

6. Kosten und finanzielle Risiken berücksichtigen

Auch ein überzeugender Nachhaltigkeitsansatz muss zur persönlichen Anlagestrategie passen. Anleger sollten unter anderem beachten:

  • laufende Fondskosten,
  • Ausgabeaufschläge,
  • Schwankungsrisiken,
  • Branchen- und Regionenrisiken,
  • Anlagehorizont,
  • sowie die persönliche Risikotragfähigkeit.

 

7. Verschiedene Fonds vergleichen

Mit dem Greenvest-Fondsfinder können Anleger nachhaltige Fonds unter anderem anhand ihrer Fondskategorie, SFDR-Einstufung und verschiedener Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien vergleichen.

 

Greenvest-Einschätzung: Ist Transition Investing die Zukunft nachhaltiger Geldanlagen?

Transition Investing ersetzt klassische nachhaltige Fonds, Ausschlussstrategien oder Impact Investing nicht. Es ergänzt sie um eine wichtige Perspektive.

Die Transformation der Wirtschaft gelingt nicht, wenn Kapital ausschließlich in Unternehmen fließt, die bereits geringe Emissionen verursachen. Gleichzeitig darf der hohe Finanzierungsbedarf emissionsintensiver Branchen nicht dazu führen, jedes Verbesserungsversprechen als nachhaltig zu akzeptieren.

Daraus ergibt sich eine anspruchsvolle Balance:

Die größten potenziellen Emissionssenkungen liegen häufig dort, wo die Ausgangsbelastung besonders hoch ist. Genau dort ist aber auch das Risiko besonders groß, bestehende Geschäftsmodelle lediglich unter einem neuen Nachhaltigkeitsbegriff weiterzufinanzieren.

Glaubwürdiges Transition Investing benötigt deshalb strengere Analysen, nicht lockerere Nachhaltigkeitskriterien.

Entscheidend sind:

  • ein wissenschaftlich plausibler Transformationspfad,
  • konkrete Zwischenziele,
  • konsistente Investitionsentscheidungen,
  • reale absolute Emissionsminderungen,
  • transparente Fortschrittsberichte,
  • und Konsequenzen bei ausbleibender Umsetzung.

Die geplante Transition-Kategorie der SFDR kann die Vergleichbarkeit verbessern. Ob sie tatsächlich Vertrauen schafft, hängt von verbindlichen Mindeststandards, nachvollziehbaren Kennzahlen und wirksamen Regeln gegen Greenwashing ab.

Für Anleger sollte deshalb nicht die Frage im Vordergrund stehen:

Trägt der Fonds „Transition“ im Namen?

Sondern:

Welche konkrete Transformation finanziert der Fonds – und wie wird ihre Glaubwürdigkeit überprüft?

 

Nachhaltige Fonds finden und vergleichen

Transition Investing kann ein sinnvoller Bestandteil einer nachhaltigen Anlagestrategie sein. Es eignet sich jedoch nicht automatisch für jeden Anleger und nicht jeder entsprechend bezeichnete Fonds verfolgt dieselben Ziele.

Neben dem Transformationsansatz sollten auch persönliche Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigt werden – etwa Ausschlüsse von Kohle, Öl, Rüstung, Menschenrechtsverletzungen oder anderen kontroversen Geschäftsfeldern.

Im Greenvest-Fondsfinder können Sie nachhaltige Investmentfonds transparent vergleichen und nach verschiedenen Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien filtern.

So funktioniert es:

  1. Nachhaltige Fonds suchen und vergleichen
  2. Fonds anhand von Strategie, Nachhaltigkeitskriterien, Risiken und Kosten selbst auswählen
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Häufige Fragen zu Transition Investing

Was bedeutet Transition Investing?

Transition Investing bezeichnet Investitionen in Unternehmen, wirtschaftliche Aktivitäten oder Projekte, die heute noch nicht vollständig nachhaltig sind, aber einen glaubwürdigen und überprüfbaren Transformationspfad verfolgen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Maßnahmen, Investitionen und messbare Fortschritte.

Was ist der Unterschied zwischen Transition Investing und ESG Investing?

ESG Investing berücksichtigt Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren bei der Unternehmens- und Risikoanalyse. Transition Investing konzentriert sich stärker auf die künftige Veränderung eines Unternehmens und die Glaubwürdigkeit seines Transformationspfads.

Ist Transition Investing nachhaltig?

Transition Investing kann die Transformation der Realwirtschaft unterstützen. Es ist aber nicht automatisch nachhaltig. Die Qualität hängt von den Auswahlkriterien, den Transformationsplänen der Unternehmen und der tatsächlichen Zielerreichung ab.

Was ist ein Transition-Fonds?

Ein Transition-Fonds investiert in Unternehmen oder Projekte, die zur Transformation in Richtung einer klimaneutralen oder nachhaltigeren Wirtschaft beitragen sollen. Einige Fonds halten Transformationsunternehmen, andere Lösungsanbieter oder eine Kombination aus beiden.

Gibt es eine gesetzliche Definition für Transition-Fonds?

Derzeit besteht noch keine abschließend beschlossene einheitliche europäische Produktkategorie. Die Europäische Kommission hat im Rahmen der SFDR-Reform eine Transition-Kategorie vorgeschlagen. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Sind Transition-Fonds Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds?

Nach dem aktuell geltenden Recht können Transition-Strategien je nach Anlageziel und Ausgestaltung unter Artikel 8 oder gegebenenfalls Artikel 9 eingestuft werden. Transition ist derzeit keine separate geltende SFDR-Kategorie.

Was ist der Unterschied zwischen Artikel 9 und Transition Investing?

Artikel 9 ist eine bestehende Offenlegungskategorie für Finanzprodukte mit nachhaltigem Anlageziel. Transition Investing ist ein Investmentansatz, der den glaubwürdigen Veränderungspfad von Unternehmen oder Projekten bewertet.

Können Öl- und Gasunternehmen Transition Investments sein?

Das ist umstritten und hängt von sehr strengen Kriterien ab. Der Aufbau erneuerbarer Geschäftsbereiche allein reicht nicht. Besonders kritisch sind neue langfristige fossile Projekte, fehlende absolute Emissionssenkungen und Investitionspläne, die den veröffentlichten Klimazielen widersprechen.

Was sind Hard-to-abate-Sektoren?

Damit werden Branchen bezeichnet, deren Treibhausgasemissionen technisch oder wirtschaftlich besonders schwer zu vermeiden sind. Dazu zählen unter anderem Stahl, Zement, Chemie, Luftfahrt und Schifffahrt.

Was ist ein glaubwürdiger Transformationsplan?

Ein glaubwürdiger Plan enthält wissenschaftlich begründete Ziele, konkrete Zwischenziele, passende Investitionen, klare Verantwortlichkeiten, eine Begrenzung von Kompensationen und regelmäßige Berichte über die tatsächlichen Fortschritte.

Was bedeutet Carbon Lock-in?

Carbon Lock-in bezeichnet die langfristige Festlegung auf emissionsintensive Technologien oder Infrastrukturen. Eine Investition kann dadurch die Nutzung fossiler oder klimaschädlicher Anlagen über viele Jahre verlängern.

Sind Fonds mit niedrigen Portfolioemissionen automatisch klimafreundlicher?

Nicht zwingend. Niedrige Portfolioemissionen können durch den Ausschluss emissionsintensiver Unternehmen entstehen. Das senkt die ausgewiesenen finanzierten Emissionen, führt aber nicht automatisch zu zusätzlichen Emissionsminderungen in der Realwirtschaft.

Welche Rolle spielt aktives Fondsmanagement?

Aktive Fondsmanager können Transformationspläne im Detail analysieren, Unternehmen im Dialog zu Verbesserungen auffordern und Stimmrechte ausüben. Die Qualität hängt davon ab, ob Ziele, Fortschritte und Konsequenzen transparent dokumentiert werden.

Welche Risiken haben Transition-Fonds?

Neben allgemeinen Kapitalmarktrisiken bestehen unter anderem Greenwashing-, Daten-, Technologie-, Regulierungs- und Umsetzungsrisiken. Transformationsprojekte können teurer werden, sich verzögern oder wirtschaftlich scheitern.

Wie erkenne ich einen seriösen Transition-Fonds?

Achten Sie auf eine klare Fondsstrategie, nachvollziehbare Auswahlkriterien, konkrete Transformationskennzahlen, transparente Portfolios, dokumentiertes Engagement und regelmäßige Berichte über die tatsächliche Zielerreichung.

Ersetzen Transition-Fonds klassische Nachhaltigkeitsfonds?

Nein. Transition-Fonds ergänzen bestehende Ansätze. Ausschlussfonds, Best-in-Class-Strategien, Impact-Fonds und Transformationsfonds können unterschiedliche Ziele erfüllen und auch miteinander kombiniert werden.

 

Glossar

CapEx: Investitionsausgaben eines Unternehmens, beispielsweise für neue Produktionsanlagen, Maschinen oder Infrastruktur.

Carbon Lock-in: Langfristige Bindung an emissionsintensive Technologien und Geschäftsmodelle.

Climate Transition: Übergang von einer emissionsintensiven zu einer klimaneutralen und klimaresilienten Wirtschaftsweise.

Engagement: Aktiver Dialog von Investoren oder Fondsmanagern mit Unternehmen, um Veränderungen anzustoßen.

Hard-to-abate: Branchen oder Prozesse, deren Emissionen besonders schwer zu vermeiden sind.

Net Zero: Zustand, in dem verbleibende Treibhausgasemissionen durch dauerhafte Entnahmen ausgeglichen werden. Vorrang hat die weitgehende Reduktion der Emissionen.

Scope 1: Direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen.

Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie.

Scope 3: Weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.

Transition Enabler: Unternehmen, dessen Produkte oder Dienstleistungen die Transformation anderer Unternehmen ermöglichen.

Transition Finance: Finanzierung von Investitionen und Maßnahmen, die den Übergang zu einer klimaneutralen und nachhaltigeren Wirtschaft unterstützen.

Transition-Washing: Irreführende Darstellung eines Unternehmens, Projekts oder Finanzprodukts als transformativ, obwohl kein ausreichend glaubwürdiger Veränderungspfad besteht.

 

Quellen und weiterführende Informationen

Zu den wesentlichen Grundlagen dieses Beitrags zählen:

  • OECD: Guidance on Transition Finance – Ensuring Credibility of Corporate Climate Transition Plans.
  • Europäische Kommission: Empfehlung und Sustainable-Finance-Paket zur Finanzierung der Transformation.
  • Europäische Kommission: Vorschlag zur Überarbeitung der SFDR und zu neuen Produktkategorien.
  • EU Platform on Sustainable Finance: Building trust in transition – Core elements for assessing corporate transition plans.
  • GFANZ: Erwartungen an Transformationspläne von Unternehmen der Realwirtschaft.
  • IIGCC: Net Zero Investment Framework 2.0.

 

Rechtlicher Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen weder eine Anlageberatung noch eine individuelle Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente dar. Investmentfonds unterliegen Wertschwankungen. Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Maßgeblich sind die aktuellen Verkaufsunterlagen des jeweiligen Fonds.