Greenvest Nachhaltigkeitsfonds-Monitor 2026: Nachhaltige Fonds im Wandel: Fracking verliert – Rüstung gewinnt

Neues von Greenvest | 23.07.2026

Greenvest-Langzeitanalyse vergleicht 750 identische Fonds von 2022 bis 2026: Rüstungsexposition steigt um 9,7 Prozentpunkte, Fracking sinkt um 10,0 Prozentpunkte

Pressemitteilung: Vaihingen an der Enz, 23. Juli 2026 – Was in nachhaltigen Fonds steckt, hat sich in den vergangenen vier Jahren deutlich verändert. Während Investments mit Bezug zu Fracking und Gentechnik seltener geworden sind, weisen heute deutlich mehr nachhaltige Fonds Investments mit Rüstungsbezug auf als noch 2022. Das zeigt eine Langzeitanalyse von Greenvest auf Basis von Nachhaltigkeitsdaten aus September 2022 und Juni 2026.

Für einen belastbaren Vergleich hat Greenvest 750 identische Fondsanteilsklassen untersucht, für die zu beiden Zeitpunkten Nachhaltigkeitsdaten vorliegen. Damit werden tatsächlich dieselben Fonds miteinander verglichen – und nicht unterschiedlich zusammengesetzte Fondsuniversen.

Greenvest Nachhaltigkeitsfonds-Monitor 2026: Entwicklung ausgewählter Nachhaltigkeitskriterien bei 750 identischen Fondsanteilsklassen zwischen September 2022 und Juni 2026.

Die Ergebnisse zeigen eine klare Verschiebung:

Negativkriterium September 2022 Juni 2026 Veränderung
Rüstung 48,4 % 58,1 % +9,7 Prozentpunkte
Fracking 26,8 % 16,8 % −10,0 Prozentpunkte
Gentechnik 64,7 % 56,0 % −8,7 Prozentpunkte
Menschenrechte 25,3 % 18,1 % −7,2 Prozentpunkte
Kohleenergie 8,4 % 6,7 % −1,7 Prozentpunkte
Atomenergie 60,3 % 66,8 % +6,5 Prozentpunkte
Spezielle Rüstung¹ 22,1 % 27,7 % +5,6 Prozentpunkte

¹ „Spezielle Rüstung“ umfasst bei Unternehmensinvestments die Produktion von ABC-Waffen, Clusterbomben oder Landminen. Bei Länderinvestments werden unter anderem Atomwaffenbesitz sowie internationale Konventionen gegen Chemie-, Bio- und Clusterwaffen berücksichtigt.

Rüstung und Fracking entwickeln sich nahezu spiegelbildlich

Besonders deutlich wird der Wandel bei Rüstung und Fracking.

2022 wiesen 363 der 750 untersuchten Fonds eine positive Exposition im EDA-Kriterium Rüstung auf. Im Juni 2026 waren es 436 Fonds. Der Anteil stieg damit von 48,4 auf 58,1 Prozent.

Auch die Veränderungen auf Ebene der einzelnen Fonds sind eindeutig: Bei 123 Fonds kam zwischen 2022 und 2026 eine Rüstungsexposition neu hinzu. Nur bei 50 Fonds verschwand sie.

Bei Fracking zeigt sich nahezu das umgekehrte Bild. Der Anteil sank von 26,8 auf 16,8 Prozent. Bei 113 Fonds verschwand eine zuvor vorhandene Fracking-Exposition, während sie bei lediglich 38 Fonds neu hinzukam.

Auch Gentechnik wurde seltener: Der Anteil der Fonds mit entsprechender Exposition ging von 64,7 auf 56,0 Prozentzurück.

Nachhaltigkeit verändert ihr Gesicht

Die Ergebnisse sprechen damit weniger für eine pauschale Entwicklung zu „mehr“ oder „weniger“ Nachhaltigkeit. Vielmehr verändert sich, welche kontroversen Bereiche in nachhaltigen Fonds vertreten sind.

„Unsere Analyse zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Fracking und Gentechnik verlieren in nachhaltigen Fonds deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig weisen heute wesentlich mehr Fonds Investments mit Rüstungsbezug auf als noch 2022. Nachhaltigkeit ist kein statischer Begriff. Für Anleger wird es deshalb immer wichtiger, nicht nur auf die Bezeichnung eines Fonds zu schauen, sondern darauf, was tatsächlich im Portfolio steckt“, sagt Daniel Arbeiter, Gründer von Greenvest.

Auch Atomenergie folgt dem gegenläufigen Trend: Der Anteil der Fonds mit entsprechender Exposition stieg von 60,3 auf 66,8 Prozent. Beim Kriterium „Spezielle Rüstung“ erhöhte sich der Anteil von 22,1 auf 27,7 Prozent.

Gleichzeitig blieb die übergreifende Nachhaltigkeitsbewertung nahezu stabil: Der durchschnittliche EDA Score der 750 langfristig vergleichbaren Fonds lag im September 2022 bei 82,4 Punkten, im Juni 2026 bei 82,1 Punkten.

Für Greenvest ist gerade diese Kombination ein wichtiger Befund: Nicht das allgemeine Nachhaltigkeitsniveau verändert sich grundlegend – vielmehr verschiebt sich das Nachhaltigkeitsprofil der Fonds.

Fondslabel allein sagt wenig über einzelne Ausschlüsse aus

Der EDA Score bewertet die Nachhaltigkeit eines Fonds auf einer Skala von 0 bis 100. Je höher der Wert, desto nachhaltiger wird der Fonds bewertet. In die Bewertung fließen Positiv- und Negativkriterien ein. Negativkriterien wie Rüstung, Kohleenergie oder Atomenergie führen zu Punktabzügen, Positivkriterien wie Erneuerbare Energien oder Umweltorientierung können die Bewertung verbessern.

Ein Fonds kann deshalb insgesamt einen hohen EDA Score erreichen und dennoch Investments in einzelnen kontroversen Bereichen aufweisen.

„Zwei Fonds können beide als nachhaltig angeboten werden und sich bei Rüstung, fossilen Energien oder anderen Kriterien trotzdem erheblich unterscheiden. Genau deshalb wollen wir Anlegern mit Greenvest ermöglichen, hinter die allgemeine Nachhaltigkeitsbezeichnung zu schauen und ihre Geldanlage nach den Kriterien auszuwählen, die ihnen persönlich wichtig sind“, so Arbeiter.

Die Ergebnisse zeigen zugleich, warum einzelne Nachhaltigkeitskriterien nicht isoliert als Urteil über die Gesamtqualität eines Fonds verstanden werden sollten. Sie machen vielmehr sichtbar, wie unterschiedlich Nachhaltigkeit in konkreten Portfolios umgesetzt wird.

Über die Analyse

Für die Langzeitanalyse hat Greenvest Nachhaltigkeitsdaten von Fonds und ETFs aus September 2022 und Juni 2026miteinander verglichen. Berücksichtigt wurden 750 identische Fondsanteilsklassen, für die an beiden Stichtagen ein EDA Score und auswertbare Daten zu den untersuchten Nachhaltigkeitskriterien vorlagen.

Grundlage sind Daten zum EDA – Ethisch Dynamischer Anteil von Mountain-View Data. Der EDA analysiert Fonds anhand ihrer Investments in Unternehmen und Staaten und berücksichtigt dabei elf definierte Nachhaltigkeitskriterien.

Zu den Negativkriterien gehören unter anderem Rüstung, spezielle Rüstung, Atomenergie, Kohleenergie, Fracking, Gentechnik, Tierversuche und Menschenrechte. Die Bewertung unterscheidet dabei teilweise zwischen Unternehmens- und Länderinvestments.

Die Angaben zu einzelnen Kriterien beschreiben die in den EDA-Daten ausgewiesene Exposition eines Fonds. Veränderungen können neben Portfolioveränderungen auch durch Veränderungen der zugrunde liegenden Research-Daten beeinflusst werden. Aus den Ergebnissen werden deshalb keine Aussagen über konkrete Kauf- oder Verkaufsentscheidungen einzelner Fonds abgeleitet.