EDA-Nachhaltigkeitskennzahl: Wie nachhaltig Investmentfonds wirklich sind

Wissen | 30.03.2026

Die EDA-Nachhaltigkeitskennzahl (Ethisch Dynamischer Anteil) ist ein datenbasierter Ansatz zur Bewertung nachhaltiger Investmentfonds.

Im Gegensatz zu vielen ESG-Ratings analysiert die EDA-Methodik nicht nur Nachhaltigkeitsstrategien oder Selbstangaben von Fondsgesellschaften. Stattdessen untersucht sie die tatsächlichen Investments eines Fondsportfolios. Dabei werden sowohl Unternehmen als auch Staatsanleihen, in die ein Fonds investiert, anhand definierter Nachhaltigkeitskriterien bewertet.

Der daraus resultierende EDA-Score liegt auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten

0 Punkte → sehr geringe Nachhaltigkeit
100 Punkte → sehr hohe Nachhaltigkeit

Je höher der EDA-Wert eines Fonds ist, desto nachhaltiger gilt das Portfolio im Rahmen dieser Bewertungsmethodik.

Ursprung und Entwicklung der EDA-Kennzahl

Die Nachhaltigkeitskennzahl EDA (Ethisch Dynamischer Anteil) wurde im Jahr 2008 entwickelt und gehört damit zu den frühen systematischen Ansätzen zur Bewertung nachhaltiger Investmentfonds.

Die Kennzahl wurde von der Mountain-View Data GmbH entwickelt und ist patentiert. Mountain-View Data ist ein Finanzdaten- und Researchunternehmen mit Fokus auf Nachhaltigkeitsanalysen von Fonds, Unternehmen und Staaten.

Mit der Einführung der EDA-Kennzahl wurde erstmals eine Fondskennzahl etabliert, die eine quantitative Bewertung nachhaltiger Investments innerhalb eines Fondsportfolios ermöglicht.

Grundprinzip der EDA-Bewertung

Die Berechnung des EDA basiert auf einer vollständigen Analyse der tatsächlichen Fondsinvestments. Dabei werden sämtliche Positionen eines Fonds untersucht, darunter:

  • Aktien
  • Unternehmensanleihen
  • Staatsanleihen

Die Bewertung erfolgt auf Basis von:

  • der ISIN der Wertpapiere
  • dem Anteil der jeweiligen Position am Fondsvermögen
  • einer umfangreichen Nachhaltigkeitsdatenbank
  • definierten Nachhaltigkeitskriterien.

Alle Positionen werden vollständig durchgerechnet, sodass sich eine Gesamtbewertung des Fondsportfolios ergibt.

Positiv- und Negativkriterien der Nachhaltigkeitsanalyse

Die EDA-Methodik basiert auf einem System aus Negativkriterien und Positivkriterien.

Negativkriterien führen zu Punktabzügen
Positivkriterien führen zu Punktgewinnen

Auf diese Weise wird bewertet, in welchem Umfang ein Fonds in wirtschaftliche Aktivitäten investiert, die als nachhaltig oder kontrovers gelten.

Negativkriterien

Zu den wichtigsten Negativkriterien zählen wirtschaftliche Aktivitäten, die aus Nachhaltigkeitssicht häufig kritisch bewertet werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Rüstung
  • spezielle Rüstung (z. B. Atomwaffen, Clusterbomben oder Landminen)
  • Kohleenergie
  • Atomenergie
  • Fracking
  • grüne Gentechnik
  • Tierversuche
  • Menschenrechtsverletzungen

Wenn ein Fonds einen bestimmten Anteil seines Vermögens in solche Aktivitäten investiert, kann dies zu Punktabzügen im EDA-Score führen.

Positivkriterien

Neben kontroversen Geschäftsfeldern berücksichtigt die EDA-Methodik auch Aktivitäten, die einen positiven Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen:

  • erneuerbare Energien (Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft)
  • Umwelttechnologien
  • nachhaltige Infrastruktur
  • Wasseraufbereitung
  • Recycling
  • Unternehmen des UN Global Compact

Diese Aktivitäten können den EDA-Score eines Fonds erhöhen.

Gewichtung der Nachhaltigkeitskriterien

Die einzelnen Nachhaltigkeitskriterien werden mit unterschiedlichen Gewichtungen berücksichtigt.

Beispiele aus der Bewertungsmethodik:

  • Atomenergie und grüne Gentechnik können jeweils bis zu 15 % Fondsanteil berücksichtigen
  • Rüstung, Kohleenergie, Fracking oder Tierversuche können bis zu 10 % Fondsanteil berücksichtigen
  • spezielle Rüstung kann bereits bei 5 % Fondsanteil relevant werden

Werden bestimmte Investitionsanteile überschritten, erfolgt der maximale Punktabzug für das jeweilige Kriterium.

Positivkriterien wie erneuerbare Energien oder Umwelttechnologien können hingegen zu einem maximalen Punktgewinn führen, wenn entsprechende Investitionsanteile im Fondsportfolio erreicht werden.

Bewertung von Staatsanleihen

Neben Unternehmensinvestments berücksichtigt die EDA-Methodik auch Staatsanleihen im Fondsportfolio. Länder werden anhand verschiedener Nachhaltigkeitsindikatoren bewertet, darunter:

  • Rüstungsbudget eines Landes
  • Atomwaffenstatus
  • Menschenrechtslage
  • Gentechnikanbauflächen
  • CO₂-Emissionen pro Einwohner
  • Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix
  • Umweltindikatoren wie der Environmental Performance Index

Die Bewertung der Staaten fließt mit einer Gewichtung von 25 % in die Gesamtbewertung ein.

Datenquellen der Nachhaltigkeitsanalyse

Die Bewertung der Unternehmen und Staaten basiert auf umfangreichen internationalen Research-Quellen.

Zu den wichtigsten Datenquellen gehören unter anderem:

  • Stockholm International Peace Research Institute
  • International Atomic Energy Agency
  • Transparency International
  • International Labour Organization
  • Amnesty International
  • Greenpeace
  • Rainforest Action Network
  • UN Global Compact
  • Eurostat
  • UNICEF

Diese Quellen werden durch interne Research-Datenbanken ergänzt.

EDA vs. ESG-Ratings: Unterschiedliche Bewertungsansätze

Viele Nachhaltigkeitsratings für Investmentfonds basieren auf sogenannten ESG-Ratings. Dabei werden Unternehmen anhand der drei Dimensionen bewertet:

  • Environment (Umwelt)
  • Social (Soziales)
  • Governance (Unternehmensführung)

Diese Ratings analysieren häufig Nachhaltigkeitsstrategien, ESG-Richtlinien oder Unternehmensberichte.

Die EDA-Methodik verfolgt dagegen einen stärker portfolioorientierten Ansatz. Hier wird das tatsächliche Fondsportfolio analysiert und untersucht, in welche wirtschaftlichen Aktivitäten ein Fonds tatsächlich investiert.

ESG-Ratings EDA-Kennzahl
Bewertung von ESG-Strategien Analyse realer Investments
Fokus auf Unternehmensbewertungen Fokus auf Portfoliostruktur
Analyse von Nachhaltigkeitsberichten Analyse konkreter Geschäftsfelder

Beide Ansätze können unterschiedliche Perspektiven auf Nachhaltigkeit liefern. Für Anleger kann es daher sinnvoll sein, mehrere Bewertungsmethoden zu berücksichtigen.

Wie stark sich Nachhaltigkeitsbewertungen unterscheiden können, zeigt auch eine aktuelle Analyse nachhaltiger Fonds, die auf Basis der EDA-Kennzahl durchgeführt wurde.

Nachhaltigkeit ist für viele Anleger individuell

Ein wichtiger Aspekt nachhaltiger Geldanlage ist, dass Anleger Nachhaltigkeit häufig unterschiedlich definieren. Während für manche Investoren insbesondere Themen wie Rüstung oder Atomenergie entscheidend sind, legen andere stärkeres Gewicht auf:

  • Klimaschutz
  • erneuerbare Energien
  • Menschenrechte
  • soziale Standards

Die Analyse einzelner Nachhaltigkeitskriterien kann daher helfen, Fonds gezielter nach persönlichen Nachhaltigkeitspräferenzen zu vergleichen.

Nachhaltige Fonds analysieren

Auf Greenvest können Anleger nachhaltige Investmentfonds anhand verschiedener Nachhaltigkeitskennzahlen analysieren und vergleichen.

Dazu gehören unter anderem:

Nachhaltigkeitskennzahlen
Ausschlusskriterien
ESG-Strategien

👉 nachhaltige Fonds finden

Fazit

Die EDA-Nachhaltigkeitskennzahl bietet einen datenbasierten Ansatz zur Bewertung nachhaltiger Investmentfonds.

Durch die Analyse der tatsächlichen Fondsinvestments sowie die Kombination aus Positiv- und Negativkriterien ermöglicht sie eine transparente Einschätzung, wie nachhaltig ein Fondsportfolio tatsächlich ist.

Für Anleger kann die Kennzahl eine zusätzliche Orientierung bieten, wenn sie nachhaltige Fonds vergleichen und gezielt Fonds auswählen möchten, die zu ihren persönlichen Nachhaltigkeitskriterien passen.